Der Wilde Südwesten kommt endlich ins Rollen

von Administrator

„Fast ein Bild für die Ewigkeit… in den Farben getrennt, in der Sache vereint – der neugewählte Sprecher vom KSC, Carsten de la Porte und der leider scheidende VFB-Kollege Richard Sillmann in trauter Zweisamkeit“ Foto: Uli Deck

KSC-Behinderten-Fanbeauftragter Carsten de la Porte leitet ab sofort die Regionalgruppe Südwest der BBAG (BundesBehindertenfanArbeitsGemeinschaft e.V.).

Der Name allein löst schon ein Sprach-Handicap aus und ist für den „normalen“ Fußball-Fan kaum zu merken: BundesBehindertenfanArbeitsGemeinschaft (im Nachfolgenden kurz BBAG genannt) ist DIE bundesweit agierende Interessenvertretung von Fußballfans mit Handicap, inklusiv agierenden Fanclubs und Vereinsvertretern aus der Fanarbeit der 56 Proficlubs im Deutschen Fußball. Der Verein tritt für die Belange der Fußballfans mit einem Handicap ein, vertritt Themen wie Barrierefreiheit und Inklusion gerade auch gegenüber den beiden Verbänden DFB und DFL und ist seit mehreren Jahren auch in vier Regionalgruppen aufgeteilt, um sich vor Ort noch besser zu vernetzen und handeln zu können. Allein im Süden der Republik (ausgenommen Bayern) gibt es rund 50 Vereine und Fanclubs, deren Interessen es zu wahren gilt.

Anfang Juni fand nun in Karlsruhe die Gründungsversammlung der Regionalgruppe Südwestdeutschland statt und von den immerhin über 20 anwesenden Vertretern wurde der KSC Behinderten Fan-Beauftragte und „Cent hinterm Komma“ Geschäftsführer Carsten de la Porte einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Aus vier Bundesländern kamen die Kolleginnen und Kollegen der Vereine und Fanclubs zusammen, begrüßt durch den kaufmännischen Leiter des KSC, Rolf Ulrich, um Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung rund um die Faszination Fußball auch auf regionaler Ebene buchstäblich ins Rollen zu bringen. „Es ist uns ein Anliegen, die Belange dieser für uns so wichtigen und treuen Fangemeinde ernst zu nehmen und sich mit den Kollegen auszutauschen und voneinander zu lernen – ganz gleich, in welcher Liga“, so Ulrich bei seinen Grußworten, wo er auf die Wichtigkeit eines funktionierenden Netzwerkes hinwies.

Die Ämter des Sprechers und dessen Stellvertreters sind komplett in badischer Hand, denn neben de la Porte wurde auch Ralf Sauer von der Lebenshilfe Offenburg und seines Zeichens Spezialist im Bereich Nationalmannschaft und Länderspiele ins Amt berufen. „Das was auf Vereinsebene Tagesgeschäft ist, spitzt sich bei der Planung einer Länderspielfahrt eben auf ein Event zu. Hierbei haben wir es direkt mit dem DFB zu tun und können hilfreiche Tipps geben gerade hinsichtlich Ticketing und Reisemodalitäten“, so Sauer, der in Offenburg eine Werkstatt für geistig Behinderte leitet und wann immer es geht auch im Wildpark zu Gast ist.

Auf Carsten de la Porte warten weitreichende zusätzliche Aufgaben, denn es gilt regionale Interessen auch auf Bundesebene durchzusetzen und zur Sprache zu bringen. „Es zeigt sich einmal mehr, dass die Aufgabe eines Behinderten Fanbeauftragten doch weit über den Spieltag hinaus geht“, so der 50 Jährige Projektmanager und Inklusionscoach der beim KSC bereits im sechsten Jahr die Interessen der Fans mit Handicap vertritt. „Es ist eben mehr als ein paar Rollies in den Innenraum zu schubsen“, so de la Porte mit einem Augenzwinkern über seine Auffassung zur Aufgabe beim KSC und darüber hinaus. Fußball sei ein Spiegelbild der Gesellschaft und entscheidend ist letztendlich was ist für die Gemeinschaft zumutbar wenn es darum geht Inklusion auch realistisch in die Tat umzusetzen. „Inklusion ist kein Freibrief für die Menschen mit Handicap“, merkt er dann auch noch kritisch an. „Vielmehr müssen wir alle verantwortungsvoll damit umgehen. Es geht um Hol- und Bringschuld und um die Gleichstellung Aller, mit der natürlich auch eine gehörige Portion Kompromissbereitschaft verbunden ist“.

Mit der Umverteilung auf regionale Strukturen bekommt dann auch die Bundesvollversammlung der BBAG, die einmal im Jahr in Hannover stattfindet eine neue Qualität. Die einzelnen Vereine bekommen mehr Verantwortung, entwickeln Themen, die dann nicht mehr von Anfang an durchdiskutiert werden müssen, sondern nur noch im Detail zum Abschluss gebracht werden. So gestalte man die gesamte Hierarchie innerhalb eines solchen Gebildes wie dem der BBAG schlank und entgegen unnötiger Hierarchien. Zunächst möchte sich die Regionalgruppe Südwest Themen widmen, wie etwa der Einbindung der sogenannten „Best Agers“ in die Fanarbeit, der Stellung und dem Einfluss der Medien am Spieltag und in der Spieltags-Vorbereitung (miteinander statt gegeneinander), dem großen Feld der Gebärdensprache und einem Kernthema „Bedarf wecken – Bedarf decken“ – Zuständigkeiten und Verantwortung eines BFB im Verein, frei nach dem Motto „Das gibt’s bei uns nicht, oder doch?“. So sollen die vielfältigen Stärken und Expertisen der einzelnen Gruppenmitglieder zur Geltung kommen, denn, so BBAG Vorstand Alexandra Lüddecke, „sei man hier ein Kreis von Experten und Spezialisten, die dies auch zeigen sollten“.

„Wir setzen das um, was in vielen Vereinen fehlt, wo man sich in immer mehr Organigrammen verstrickt, anstatt einfach mal bei einem Kaffee miteinander zu reden und gerne auch mal zu spinnen“, erklärt de la Porte das Manko in vielen Vereinen. „Die Probleme und Themen sind in Dortmund genau die gleichen wie in Leverkusen oder in Lotte. Ein fehlender Rollatorplatz bleibt der gleiche – egal ob 80.000 oder 8.000 Zuschauer“.

Seit fast 30 Jahren sieht der gebürtige Karlsruher, die immer wiederkehrenden Themen in der Behindertenarbeit die scheinbar auf den ersten Blick so gar nichts mit seinem eigentlichen Arbeitsfeld zu tun haben. Im Gespräch fallen da wie selbstverständlich Begrifflichkeiten wie „Hospitality, Fundraising, Return on Invest, Merchandising und Public Relations“, aber, so de la Porte abschließend, wenn man in seiner Position nicht über den Tellerrand schaut und sich als Teil eines Ganzen versteht (und auch verstanden wird!), geht so viel Potenzial flöten und hinterher ärgert man sich nur wieder über verpasste Chancen und unnötige Kompetenzrangeleien. „Fanarbeit als Profitcenter und nicht nur als „Kostenstelle“ – das muss das Ziel sein im Rahmen der Arbeit, der professionelle Turnaround in der Sache – auch der eines ganz simplen Rollieschubsers. Denn manchmal werden die auch schnell und überraschenderweise zum Ideen-Schubser.

  • Foto 1: „Angeregte Fachgespräche während der Gründungsversammlung Südwest“
  • Foto 2: „Wird’s denn gehen Frau Vorstand?“ – hoher Besuch aus der „Chefetage“
  • Foto 3: „Hoffe‘ zeigt Frankfurt wo es langgeht? Andersrum Charly, es geht voran!“
  • Foto 4: „Die GründerInnen der Regionalgruppe Südwest – jeder ist Willkommen“

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KSC-Behinderten-Fanbetreuung

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