Das Projektarchiv von Cent hinterm Komma® e.V.

Durlach Turnados - Handball mit und ohne Handicap

Gemeinsam mit der Turnerschaft Durlach, die für ihr besonderes und nachhaltiges soziales Engagement bereits 2008 mit der Gläsernen Pyramide der Stadt Karlsruhe ausgezeichnet wurde und in Kooperation mit dem Stadtamt Durlach riefen wir im Jahr 2009 ein integratives Handball-Projekt ins Leben. 

Dabei will der größte Verein des Stadtteils vom Sport begeisterte Menschen mit geistiger Behinderung an den Handball heranführen, ihnen zunächst die Grundlagen des schnellen Spiels beibringen, im nächsten Schritt ein Team bilden und als weiteres Ziel, geistig behinderte Handballer in seine eigenen Wettkampf-Mannschaften integrieren. Nach mehr als einem Jahr konzeptioneller Vorarbeit war es dann endlich so weit:

Die „Durlach Turnados“ waren geboren! Mittlerweile hat das Projekt seine Eigendynamik innerhalb der Turnerschaft gefunden und gilt als Modellprojekt weit über die Grenzen Karlsruhe hinaus. Man stellt sogar Nationalspieler die die deutschen Farben in der Nationalmannschaft von Special Olympics vertreten und die Turnados wurden bis hin zum Bundespräsidenten mit etlichen Preisen ausgezeichnet.

Hoch Hinaus Klettern für Menschen mit Handicap

Im Jahr 2012 starteten wir dieses Modellprojekt gemeinsam mit dem Kinderbüro der Stadt Karlsruhe und dem Alpenverein Karlsruhe. In deren Kletterhalle in der Karlsruher Waldstadt installierten wir – einmalig in der Region – eine stufenlos absenkbare Kletterwand, die es auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen ermöglicht, den Klettersport auszuüben. Mittlerweile gibt es auch eine inklusive Klettergruppe die sich einmal wöchentlich zum gemeinsamen „kraxeln“ trifft. Unter Anleitung geschulter Pädagogen und Trainer und während des normalen Hallenbetriebs (was uns ganz wichtig ist) sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vollkommen integriert und sind mittlerweile fester Bestandteil der Kletterhalle.

Humanitäre Hilfe in Kaliningrad (RUS)

Im Jahr 2001 starteten in Krylowo, einer 1300-Seelengemeinde direkt an der polnischen Grenze in der Exklave Kaliningrad, humanitäre Hilfe. Hilfsmitteltransporte, bei denen wir bereits Rollstühle, Windeln und sonstige therapeutischen Hilfsmittel und Einrichtungsgegenstände im Wert von rund 50.000 Euro dorthin brachten fanden bis zumJahr 2006 statt. Die Entwicklung eines pädagogischen Konzeptes war Schwerpunkt unserer Arbeit. Über die Selbsterfahrung, Workshops und gezielte Fortbildungen wurden die Mitarbeiterinnen vor Ort angeleitet bzw. waren Erzieherinen aus Russland bereits zu Gast in Deutschland.

Anfangs fanden wir erschreckende Zustände vor.

“Satt und Sauber” als Lebensprinzip war schon fast zu viel verlangt im Umgang mit den sogenannten “liegenden Kindern”. Rund 130 behinderte Kinder und Jugendliche leben in Krylowo, davon ca. 30 schwerstmehrfach Behinderte. Schritt für Schritt verbesserte sich der Umgang mit den Kindern, was natürlich auch die Motivation der Mitarbeiterinnen steigerte. Plötzlich sah man Erfolge und Fortschritte. Singkreise, gezielte Förderung im Rahmen der Basalen Stimulation, all das ist nunmehr Alltag in Krylowo.

Krylowo wurde durch unsere Konzepte schnell zu einer Vorzeige-Einrichtung im gesamten Gebiet. Nicht zuletzt deshalb erhielten wir 2005 auch die Ehrenurkunde der Robert Bosch Stiftung für bürgerschaftliches Engagement in Russland, ein Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

Im Rahmen unserer Russlandhilfe haben wir auch eine sehr aufewenige Einzelnotfallhilfe erfolgreich abschließen konnen. Der damals 18 jährige Valerij leidet unter einer Spina Bifida, einer offenen Wirbelsäule. Normalerweise wird dies direkt nach der Geburt geschlossen. Bei Valerij allerdings wurde es versäumt, was nun zur Folge hat, dass an seinem Steiß ein Straußenei-großes Geschwür wuchert, das dringend entfernt werden muss. Diese Beeinträchtigung verhindert, dass Valerij aufrecht, geschweige denn in einem Rollstuhl sitzen kann. Da sich die Ärzte in Russland nicht an diesen Eingriff heranwagen, wollten wir Valerij nun durch eine Operation in Deutschland ermöglichen, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Valerij sollte in der Uniklinik Mannheim operiert werden. Den Transport führte im November 2005 der ADAC durch. Unter ärztlicher Betreuung wurde Valerij mit einer entsprechenden Maschine nach Deutschland gebracht. Ziel war es, dass Valerij aufrecht sitzen kann und seine Handmotorik so geschult wird, dass er selbständig mobil ist in einem entsprechend angepassten Rollstuhl. Allerdings ergaben sich einige Komplikationen während der ersten Wochen in Deutschland, was eine OP ausschloss. och wir gaben die Hoffnung nicht auf. Folge war, dass sich im Laufe der Zeit Valerijs Rücken von alleine schloss und sich auch das Geschwür auf ein Drittel reduzierte. Ein dreiviertel Jahr war Valerij in Deutschland. Ihm wurde ein Rollstuhl angepasst und es wurde ein Pflegekonzept entwickelt, das Valerijs Zustand stabil halten soll. Seine psychische Entwicklung ist ebenfalls positiv verlaufen, so dass er nun wieder nach Russland, nach Hause gehen konnte. Unter Mithife namhafter Organisation wie „Ein Herz für Kinder“ konnten wir allein für dieses Projekt 100.000 Euro für Valerijs nunmehr „aufrechte“ Zukunft investiert werden.